Text aus der Ausstellung

Ich war ein kleines Kind
und du warst ein großer erwachsener Mann.
Du warst mein Vater und hättest mich lieben und beschützen sollen.
Vielleicht habe ich dich auch einmal geliebt, sicherlich sogar, aber
daran kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich erinnere mich nur an deine übergroße Macht und daran, dass ich von klein auf immer Angst hatte.

Schon als ich ganz klein noch war, hast du mich erpresst, hast von mir Liebe und Zärtlichkeit gefordert. Du hast immer versucht, über Mitleid zu deinem Ziel zu kommen. Du wolltest mich.
Niemand war da, der gesagt hätte: „Mensch, laß endlich das Kind in Ruhe.“

Ich habe viel durch dich gelernt: Ich habe gelernt, Angst zu haben, meinen Gefühlen nicht zu vertrauen, niemanden zu vertrauen, dass es immer besser ist nichts zu sagen und alleine zu bleiben.

Du hast meine Kinderwelt zerstört, mir meine Unschuld viel zu früh genommen und meine Unbeschwertheit dazu.

Ich konnte nicht mehr lachen, einfach traurig sein. Es wurde alles viel zu schwer für mich.

Wie hätte ich mir meine Unbeschwertheit erhalten können, während ich gleichzeitig wie eine Kakerlake zertreten werde. Immer wieder dieses Gefühl. Nichts wert – weg damit. Wie hätte ich da lachen können, wenn mir die Angst schon aus den Augen schrie. Aber keiner hat es gehört, niemand wollte sehen. Für dich war die Bahn frei und du hast die Zeit genutzt.

Jeden Abend bin ich mit Angst ins Bett gegangen. Angst, du könntest nachts wieder neben meinem Bett stehen. Jeden Tag die Angst und Gewissheit, nicht allen Angriffen aus dem Weg gehen zu können. Und gleichzeitig war da immer meine Sehnsucht, Sehnsucht nach Wärme. Du hattest so ein gutes Gespür dafür was ich brauche. Du konntest (und hast) jede kleinste Geste der Zärtlichkeit umgewandelt in eine Hässlichkeit, immer darauf aus, zu kriegen was zu kriegen ist. Konntest deine schmutzigen Finger nie von mir lassen, konntest nie einfach nur nett sein.

Willentlich, mit erwachsenem Bewusstsein, nur zu deiner alleinigen Befriedigung und deiner Gier nach Macht hast du mich, deine Tochter zu zerstören versucht.

Fast wäre es dir gelungen, dein Werk zu vollenden.


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